Kosten der Strafverteidigung


Eine der wichtigsten Fragen für den Mandanten ist natürlich die Frage nach den Kosten eines Strafverteidigers. Viele scheuen sich, einen Rechtsanwalt im Strafverfahren zu beauftragen, weil sie vor den Kosten zurückschrecken oder aber, weil sie keine Vorstellung davon haben, welche Gebühren anfallen werden. Ich möchte Ihnen deshalb hier einen kurzen Überblick geben über die verschiedenen Möglichkeiten der Honorarberechnung.


Eines ist vorwegzunehmen: Gute Strafverteidigung kostet Zeit, und Zeit kostet bekanntlich Geld. Ein Verteidiger muss sich, wenn er für seinen Mandanten etwas erreichen möchte, intensiv mit dem Verfahren befassen, beispielsweise durch ein genaues Studium der Akte und durch ausführliche Gespräche mit dem Mandanten. Gerade die Verteidigung in der Hauptverhandlung setzt eine gute Vorbereitung voraus. Niemand möchte von einem Anwalt verteidigt werden, der den Inhalt der Ermittlungsakte nicht kennt. Auf der anderen Seite muss die Strafverteidigung bezahlbar bleiben und im Verhältnis zum Tatvorwurf stehen.
Und noch ein Hinweis: Wenn Sie einen Strafverteidiger fragen, mit welchen Kosten Sie in Ihrem Verfahren zu rechnen haben, wird er sich mit einer konkreten Antwort meist schwer tun. Das liegt daran, dass eine Einschätzung des Verfahrens in der Regel erst möglich ist, wenn der Anwalt Akteneinsicht genommen hat. Vorher lässt sich der Umfang der Tätigkeit immer nur schätzen, deshalb können auch die Kosten der Verteidigung oft nur geschätzt werden.


Gesetzliche Gebühren nach dem RVG
Die Regelung der gesetzlichen Gebühren ist nicht ganz unkompliziert, so dass wir hier nur einen kurzen Überblick geben können: Im Zivilverfahren bemessen sich die Gebühren des Anwalts prinzipiell nach der Höhe des Streitwerts. Das geht im Strafverfahren nicht. Deshalb knüpfen das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) und das Vergütungsverzeichnis (VV) an bestimmte Gebührentatbestände an, bei deren Vorliegen der Anwalt von seinem Mandanten die entsprechende Gebühr verlangen kann.

Ein Beispiel: Der Mandant wird wegen Körperverletzung angeklagt und kommt mit der Anklageschrift und der Ladung zum Gerichtstermin zum Anwalt. Dieser übernimmt das Mandat und verteidigt den Mandanten vor dem Amtsgericht. Wurde keine Vergütungsvereinbarung abgeschlossen, dann kann der Anwalt nach dem RVG abrechnen:

 Grundgebühr Nr. 4100 VV:165,00 Euro
 Verfahrensgebühr vor dem Amtsgericht Nr. 4106 VV: 140,00 Euro
 Terminsgebühr vor dem Amtsgericht Nr. 4108 VV: 230.00 Euro
 Auslagenpauschale für Post und Telekommunikation Nr. 7200 VV: 20,00 Euro
 Mehrwertsteuer 19 %:  105,45 Euro
 Gesamtsumme:  660,45 Euro


Dieses Beispiel orientiert sich an der sogenannten "Mittelgebühr", die der Anwalt dann berechnet, wenn es sich um ein Verfahren durchschnittlicher Schwierigkeit und durchschnittlichen Umfangs gehandelt hat. Im Einzelfall können die Gebühren also auch nach oben (z. B. bei einem erheblichen Umfang des Verfahrens) oder nach unten (z. B., weil der Mandant ein sehr geringes Einkommen hat) abweichen. Für den Fall, dass der Mandant bereits bei Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen ihn den Anwalt beauftragt, fallen zusätzliche Gebühren in dem Verfahrensabschnitt „Vorverfahren“ an.


Vergütungsvereinbarung zwischen Strafverteidiger und Mandant
Als Alternative zu den gesetzlichen Gebühren können der Strafverteidiger und der Mandant auch eine Vergütungsvereinbarung ("Honorarvereinbarung") abschließen. Die häufigsten Varianten sind die Vereinbarung eines Pauschalhonorars oder eines Stundenhonorars. Beides hat für den Mandanten Vor- und Nachteile.
Obwohl die Vergütungsvereinbarung in der Strafverteidigung der Regelfall ist, weil viele Anwälte im Strafrecht davon ausgehen, dass die Gebühren des RVG zu niedrig und für eine Strafverteidigung nicht auskömmlich sind, rechnen wir in der Regel nach den Gebühren des RVG ab.


Strafverteidigung als Pflichtverteidiger

In bestimmten Fällen darf nach dem Gesetz eine Verurteilung nur erfolgen, wenn dem Beschuldigten im Strafverfahren ein Strafverteidiger zur Seite steht. Das sind die Fälle der sogenannten "Notwendigen Verteidigung" - allgemein bekannt als die Pflichtverteidigung. Grundsätzlich kann jeder Rechtsanwalt vom Gericht als Pflichtverteidiger bestellt werden. Allerdings übernehmen nicht alle Anwälte Pflichtverteidigungen, weil die Vergütungsregelungen des RVG für den Pflichtverteidiger geringere Gebühren als für den Wahlverteidiger vorsehen. Nach unserem Verständnis sollte eine engagierte Strafverteidigung aber nicht nur dem wohlsituierten Beschuldigten vorbehalten bleiben - jeder Beschuldigte hat in jeder Lage des Verfahrens das Recht auf den Beistand eines Strafverteidigers (§ 137 StPO). Bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen übernehmen wir deshalb Mandate auch als Pflichtverteidiger.

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